Energietipp

Die Regionalwerke Bamberg GmbH

Energiewende bedeutet in erster Linie das Beschreiten neuer Wege bei der Energieerzeugung und Energieverteilung. Eine möglichst flächendeckende Nutzung regenerativer Energiequellen und das gemeinsame Ziel der Energieautarkie bis 2035 von Stadt und Landkreis Bamberg sind nur über eine dezentrale Energieerzeugung und damit über die Beteiligung einer Vielzahl von Akteuren möglich. Um eben diese Akteure bei der Umsetzung Ihrer Aktivitäten zu unterstützen, sie neutral zu beraten, mit ihnen Projektideen zu entwickeln und Umsetzungsstrategien zu erarbeiten, wurde nun die Regionalwerke Bamberg GmbH gegründet. Die Idee entstand bereits im Oktober 2011. Im Zusammenhang mit dem geplanten Bau eines Biomasseheizwerkes für das Schulzentrum in Scheßlitz suchte man nach einer sinnvollen Lösung für die Wartung und Pflege des Heizwerkes.

Bei der Überlegung, hierfür ein Dienstleistungsunternehmen ins Leben zu rufen, kam sofort der Gedanke an eine Organisation auf, die auch zukünftige Projekte betreuen und vielleicht sogar eigene Projekte verwirklichen könnte. Natürlich stand hier von Anfang an der Gemeinschaftsgedanke in der Klimaallianz ebenso im Vordergrund, wie der bereits vielfach geäußerte Wunsch einzelner Gemeinden nach Hilfestellung bei der Umsetzung ihrer Ideen. Auch die Stadtwerke Bamberg GmbH mit ihrem technischen Know-how sollten einbezogen werden. Die Gründung einer solchen regionalen Einrichtung wäre ein großer Schritt auf dem gemeinsamen Weg von Stadt, Landkreis und Landkreisgemeinden auf dem gemeinsamen Weg in die Zukunft der Energieversorgung.

Von der Idee zur GmbH in nur 14 Monaten

Podium der Infoveranstaltung am 30.10.2012
Podium der Infoveranstaltung am 30.10.2012
Grafik zum Konzept der Regionalwerke aus der Präsentation am 30. Oktober 2012
Grafik zum Konzept der Regionalwerke aus der Präsentation am 30. Oktober 2012

Der Kreistag beauftragte die Landkreisverwaltung mit Beschluss vom 24. Oktober 2011 damit, die Gründung eigener Kreis- oder Regionalwerke bzw. von Energiegenossenschaften näher zu untersuchen. 

Das Jahr 2012 nutzte man daraufhin sofort, um die Gemeinden der Klimaallianz als Partner für Regionalwerke zu gewinnen. Zunächst wurden im Januar 2012 alle Bürgermeister in vier Regionalkonferenzen - und damit jeweils im kleinen Kreis - über das Vorhaben informiert. In diesem offenen Meinungsaustausch, bei dem sich alle Gemeinden konstruktiv einbrachten, konnte ein erstes Stimmungsbild gewonnen werden. Erfreulicherweise stieß man bei den Gemeinden insgesamt auf eine sehr positive Resonanz. Anschließend wurden die Bürgermeister mittels Fragebögen zu ihrer detaillierten Meinung zu verschiedenen Gesichtspunkten des Vorhabens befragt. 

Parallel dazu kümmerten sich die Verwaltungen von Stadt, Stadtwerken und Landkreis gemeinsam um die Klärung rechtlicher Fragen rund um das komplexe Thema. Im engen Schulterschluss mit den Gemeinden und mit Hilfe einer beratenden Rechts- und Steuerkanzlei arbeiteten sie schließlich ein Konzept zur Gründung der Regionalwerke aus. 

Man kam zu dem Ergebnis, dass die Rechtsform der GmbH die sinnvollste wäre und dass diese aus den Gesellschaftern Landkreis, Landkreisgemeinden und Stadt mit Stadtwerken Bamberg bestehen solle. Zur Finanzierung einigte man sich darauf, dass für jeden der rund 210.000 Bürger ein Euro, der sog. Klima-Euro, eingebracht werden sollte. 

Von März bis Mai 2012 haben Frau Pfeff-Schmidt, Herr Ensner und Herr Martin dieses Konzept den Gemeindegremien in ihren Sitzungen vorgestellt. Auch hier wurde offen diskutiert. Die anschließende erneute Befragung der Gemeinden durch Fragebögen fiel im Bezug auf Idee und Konzept insgesamt positiv aus. Die Gemeindegremien sprachen sich mehrheitlich für die vorgeschlagene GmbH-Rechtsform, für die Zusammenarbeit mit der Stadt Bamberg und für die Finanzausstattung der Werke mit Hilfe des Klima-Euros aus. 

Auch während der Phase der Detailplanung bestand selbstverständlich immer die Möglichkeit der Information für alle Partner. Die Offenheit und ständige Rückkopplung nahmen schließlich viele Zweifel und Ängste. In einer großen Informationsveranstaltung im Hegelsaal der Bamberger Konzert- und Kongresshalle wurden schließlich am 30. Oktober 2012 allen Entscheidungsträgern die finalen Planungen, angefangen vom Businessplan bis  hin zur Liquiditätsplanung der Regionalwerke GmbH vorgestellt. Vertreter der Klima- und Energieagentur,  des Landratsamtes, der Stadt und deren Stadtwerke sowie die weiteren Beteiligten der Energieagentur Nordbayern GmbH und der Rechts- und Steuerkanzleien standen in einer angeregten Diskussion Rede und Antwort. 

Im November und Dezember 2012 beschlossen 31 der 36 Gemeinden ihren Beitritt zur Regionalwerke GmbH. Jeweils einstimmige Beitrittsbeschlüsse fassten am 27. November der Regionale Klimarat, am 29. November der Aufsichtsrat der Stadtwerke Bamberg GmbH, am 12. Dezember der Stadtrat der Stadt Bamberg und am 17. Dezember der Kreistag des Landkreises Bamberg. 

Mit diesen Beschlüssen stand der Einrichtung der Regionalwerke Bamberg GmbH am 18. Dezember 2012 nichts mehr im Wege. Mit einem Appell an die Gemeinden verließ Gabriele Pfeff-Schmidt nach der Unterzeichung des Gründungsvertrages sichtlich zufrieden den Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Aber: „Erfolg haben die Regionalwerke nur dann, wenn sie von den Gemeinden mit Projekten beauftragt werden.“

Hubert Treml-Franz bei der Unterzeichung seines Arbeitsvertrages als erster Geschäftsführer der Regionalwerke Bamberg GmbH; Bild: Landratsamt Bamberg
Hubert Treml-Franz bei der Unterzeichung seines Arbeitsvertrages als erster Geschäftsführer der Regionalwerke Bamberg GmbH

Mit Spannung sah man nun dem 6. Februar 2013 entgegen: Denn in seiner ersten konstituierenden Sitzung wählte der Aufsichtsrat der Regionalwerke Bamberg GmbH, der sich aus jeweils vier Vertretern der Gesellschafter und dem Geschäftsführer der Klima- und Energieagentur Bamberg zusammensetzt, einstimmig den Geschäftsführer für die Regionalwerke Bamberg GmbH. Nur wenige Tage später, am 18. Februar 2013, folgte die Vertragsunterzeichnung mit Hubert Treml-Franz. Der erste Geschäftsführer der Regionalwerke ist gebürtiger Baunacher und weiß um die Belange der Region. Er bringt nicht nur kommunalpolitische Erfahrung mit, sondern auch 20 Jahre Berufserfahrung auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Zuletzt war der Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) bei einem Unternehmen in Erlangen im Bereich der Projektentwicklung tätig und führte deutschlandweit Projekte im Biogasanlagenbau durch. Ihm zur Seite steht seine Assistentin Saskia Delbrügge. Die Geschäftsräume der Regionalwerke befinden sich in der Ludwigstraße 25, 96052 Bamberg im 1. Stock (Eingang A) des ehemaligen „Posthochhauses“.  

„Die Regionalwerke Bamberg GmbH" wird uns dabei helfen, die Herausforderungen der Energiewende zu meistern, die Wertschöpfung in der Region zu halten und unsere Bürgerinnen und Bürger verstärkt in die Entscheidungsprozesse vor Ort mit einzubeziehen und auf diese Weise „Betroffene“ zu „Beteiligten“ machen.“ Diese Aussage des Interimsgeschäftsführers Georg Ensner setzen Hubert Treml-Franz und seine Assistentin nun in die Tat um.  Aktuell tragen beide dazu bei, dass für den Ausbau der Windkraft in der Region die planerischen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen werden, immer mit besonderem Augenmerk darauf, die Wertschöpfung in der Region zu halten. Zuletzt wurde am 23. August 2013 die „Regionalwerke Bamberg Beteiligungs GmbH gegründet, die es der Regionalwerke Bamberg GmbH ermöglicht, nicht nur beratend tätig zu sein, sondern sich auch selbst an Projekten zu beteiligen. 

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